Geschichte des Wäschewaschens
Stärken der Wäsche

Schöneres Aussehen und Schmutz abweisende Eigenschaften durch Stärken

Die Rüschen, Volants und Spitzen der Damenwäsche früherer Zeit mussten etwas gestärkt werden, um voll zur Wirkung zu kommen. Die Herren waren sehr darauf bedacht, dass die Krägen und Manschetten der Hemden ordentlich gestärkt wurden. Das verlieh ihnen ein gefälligeres Aussehen und wirkte auch Schmutz abweisend. Letzt genannte Eigenschaft war der Grund, warum auch so manch anderes Kleidungsstück gestärkt wurde.
Zu dieser Zeit wurde kalt oder "roh" gestärkt, warm gestärkt oder die "Doppelstärke" praktiziert (beide Arten nacheinander).
Dazu verwendete man Weizen-, Mais-, Reis- oder Kartoffelstärke.

Heute ist diese Art der Wäschebehandlung fast unnötig geworden, da Wäschestücke oder Teile bereits bei der Erzeugung auf Dauerform präpariert werden.


Ganz genau beschrieben wird das Stärken in früherer Zeit im Buch "Anleitungen zu den häuslichen Geschäften" von Katharina Prato, das 1899 in seiner siebenten verbesserten Auflage in der Verlagsbuchhandlung "Styria" in Graz erschien. Das darin enthaltene Kapitel zu diesem Thema können Sie hier nachlesen:

"Zum Stärken (Steifen) der großen Wäsche nimmt man zwar gewöhnlich Kartoffelstärke, weil Reis- und Weizenstärke zu hoch (=teuer)  kommt; letztere ist jedoch die beste, da sie schön weiß bleibt und sich beim Bügeln nicht an das Eisen klebt. Um das Ankleben zu vermeiden und um der Wäsche Glanz zu verschaffen, gibt man auch etwas weißes Wachs in das Wasser und kocht die mit kaltem Wasser erweichte gesprudelte Stärke unter beständigem Sprudeln erst ein, wenn sich das Wachs im siedenden Wasser aufgelöst hat (Für je 1 Liter Wasser nimmt man 1/2 dag Wach und 15 dag Stärke. Im Winter gibt man auch etwas Kochsalz in das Wasser, wodurch die Wäsche weißer wird). Man lässt die Stärke dann auf mäßiger Hitze sieden, bis sich Blasen bilden, denn wenn man sie zu wenig kocht, hat sie keine Kraft und bei zu vielem Kochen wird sie wieder dünn; darauf sprudelt man sie tüchtig, bis sie etwas abgekühlt ist, drückt sie dann durch ein Tuch von leichtem Gewebe in eine Schüssel und taucht die noch feuchten Wäschestücke nacheinander ein, solange die Stärke noch warm ist, weil sie besser in das Gewebe dringt. Wenn man die Stärke kalt verwendet oder wenn die Wäsche trocken eingestärkt wird, bekommt das Gebügelte patzige Stellen. Wenn ein Stück ganz oder teilweise (wie z.B. bei Herrenhemden, Kragen, Brist und Manschetten) eingetaucht und ausgedrückt ist, so klopft man jedes gut zwischen den Händen und hängt es zum Trocknen an einen sonnigen Ort, im Winter jedoch in eine warme Küche oder ein Zimmer, weil durch langsames Trocknen sowie durch Frieren die Stärkwäsche weich wird. Oder man schlägt die gestärkten Stücke in ein altes Leintuch, klopft sie damit und lässt sie dann in andere Tücher fest eingedreht abliegen, bis man sie am nächsten Tag bügelt.
      Man stärkt zuerst die feinsten oder jene Stücke, welche am meisten gesteift werden sollen, weil die Stärke durch den Gebrauch immer dünner wird. Soll jedoch etwas von feinerem Stoffe z.B. Krägen, Manschetten o.dgl., sehr steif werden, so mischt man rohe Reisstärke mit Wasser aufgelöst zur noch warmen gekochten und taucht die bereits getrockneten Stücke nochmals ein, schlägt das Wäschestück zusammen, damit sich die Stärke einzieht und wischt es dann vor dem Bügeln mit einem trockenen Tuche fest ab. Durch dieses fest Abwischen wird das Wäschestück auch zugleich schön glatt. Stücke, welche steif sein sollen, darf man auch nicht mit purem Wasser einfeuchten, wenn sie getrocknet sind, sondern man mischt dem Wasser Stärke, sowie etwas Waschblau (Bogenbleeb und Ultramarin gemischt) bei, bespritzt sie auf der Kehrseite, dreht sie zusammen und lässt sie gleichmäßig anziehen."